Pressespiegel

Seelische Gesundheit – mehr als die Abwesenheit von Krankheit

Zum Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober
Was bedeutet es seelisch gesund zu sein? Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist dies ein „Zustand des Wohnbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpft, die normalen Lebensbelastungen bewältigt, produktiv arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen.“ Dies bedeutet jedoch nicht, dass man immer glücklich ist. Jeder Mensch erfährt in seinem Leben Phasen, in denen das Leben schwerfällt. Verschiedene Situationen wie Trauer, Überforderung, Einsamkeit oder Ängste können zu einer Belastung für die eigene seelische Gesundheit führen. Dabei kann jeder Mensch im
Laufe seines Lebens eine psychische Erkrankung entwickeln.

Leider ist das Sprechen über die psychische Erkrankung für viele immer noch ein Tabu. Von außen ist es häufig nicht zu erkennen, dass jemand von einer psychischen Erkrankung betroffen ist. Ein Mensch kann seinen täglichen Verpflichtungen wie der Arbeit, der Familie, einkaufen oder sozialen Kontakten nachgehen und trotzdem innerlich mit starken Belastungen kämpfen. Dies führt leider häufig dazu, dass die Betroffenen selbst die Erkrankung unterschätzen, aber auch ihr Umfeld diese nicht ernst nimmt. Dann hören beispielsweise Menschen mit Depressionen Sätze wie: „Du musst einfach mehr rausgehen“ oder „Geh doch mal spazieren, dann geht es dir besser.“ Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht arbeiten können, müssen sich teilweise anhören, sie sollten sich „zusammenreißen“ oder einfach wieder einer Beschäftigung nachgehen.

Ein Spaziergang kann guttun. Arbeit kann Halt und Struktur geben. Bewegung, soziale Kontakte und ein geregelter Tagesablauf können wichtige Bestandteile der Stabilisierung sein. Aber sie sind kein einfacher Ersatz für eine notwendige Behandlung oder professionelle
Unterstützung. Da der Zugang zu Hilfsangeboten oft aber mit langen Wartezeiten verbunden ist besteht hier eine weitere Hürde, um Unterstützung wahrnehmen zu können. Gerade dann greifen niedrigschwellige Angebote, die den Betroffenen zunächst helfen, bis sie weitere Leistungen nutzen können. Auch in der Grafschaft Bentheim bestehen verschiedene niedrigschwellige Hilfsangebote wie Selbsthilfegruppen oder der Trialog. Letztgenanntes findet an jedem vierten Donnerstag im
Monat in der Begegnungsstätte im Quartier an der Denekamper Str. 47 in Nordhorn statt. Menschen mit einer psychischen Erkrankung, deren Angehörige und Fachkräfte tauschen sich über verschiedene Themen bzgl. psychischer Erkrankungen auf Augenhöhe aus und
unterstützen sich damit gegenseitig. Für den Trialog am 22.10.26 ist das Thema: „Zwischen Unterstützung und Selbstbestimmung- wie können wir Menschen in Krisen hilfreich auf Angebote aufmerksam machen?“ geplant. Die Begegnungsstätte im Quartier ist außerdem an zwei weiteren Tagen, Dienstag und Mittwochnachmittag, ein guter Anlaufpunkt um sich, bei einem Sandwich oder Stück Kuchen, mit anderen auszutauschen. Beide Angebote werden durch das Ev.-ref. Diakonische Werk Grafschaft Bentheim durchgeführt und begleitet. Die Arbeit im Bereich der Psychiatrischen Nachsorge gehört seit über 30 Jahren zur Angebotsvielfalt des Diakonischen Werkes. Es begann mit einer besonderen Wohnform und wurde immer weiter ausgebaut zu einer Tagesstätte für
Menschen mit psychischen Erkrankungen und zwei Angeboten im Bereich der ambulanten Wohnassistenz.

Mit dem Jungen Wohnen wurde vor einigen Jahren ein spezielles ambulantes Angebot für junge Erwachsene im Alter von 18-27 Jahren entwickelt. Die jungen Erwachsenen werden durch die pädagogischen Fachkräfte des Diakonischen Werkes begleitet und arbeiten gemeinsam mit ihnen daran ihr Leben mit den einhergehenden Einschränkungen der psychischen Erkrankung zu gestalten. Hier sind Themen wie die erste eigene Wohnung,
Schule und Ausbildung oder soziale Kontakte wichtige Bereiche. Diesen jungen Menschen liegt es besonders am Herzen nicht stigmatisiert zu werden, auch
wenn sie offen mit ihrer psychischen Erkrankung umgehen. Aus diesem Grund gab es bisher verschiedene Aktionen unter dem Motto: „Gutes tun, tut gut“, bei denen die jungen Menschen ehrenamtlich z.B. im Tierheim mit den Hunden spazieren waren oder in einer großen Müllsammelaktion in ihrer Wohngegend Müll gesammelt haben, um somit etwas zu ihrer Gemeinschaft beizutragen. „Wir wollen durch diese Aktionen zeigen, dass die jungen
Erwachsenen zwar in bestimmten Lebensbereichen Unterstützung benötigen, jedoch noch sehr viel mehr in ihnen steckt und sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft sein können.“ so Ann-Kathrin Steinbach, die die Aktionen als Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes begleitet. Die Tierheimbesuche finden nun regelmäßig statt und auch mit weiteren Kooperationspartnern wie z.B. dem Tagesaufenthalt für wohnungslose Menschen gibt es Ideen der jungen Erwachsenen, um sich ehrenamtlich zu engagieren Menschen mit psychischen Erkrankungen bringen oft viele Eigenschaften wie Empathie, Hilfsbereitschaft oder Verständnis für unterschiedliche Lebenssituationen mit, die in der heutigen Gesellschaft leider oft zu wenig beachtet werden. Ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung lernt in der Behandlung auf sich zu achten und ist damit vielen anderen weit voraus die täglich über ihre Grenzen gehen und sich damit überfordern. Eine psychische Erkrankung kann Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder sozialem Status treffen. In diesem Fall Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein wichtiger Schritt in Richtung Genesung. Daher ist es wichtig das Thema seelische Gesundheit und psychische Erkrankungen immer wieder anzusprechen und darüber zu reden. Es wäre doch schön, wenn man sich dabei nicht die Frage stellt „Warum schafft dieser Mensch das nicht alleine?“ sondern „Was braucht dieser Mensch, damit er seinen Alltag möglichst selbstbestimmt gestalten kann?“ Denn psychische Gesundheit betrifft jeden. Niemand kann garantieren, niemals in seinem Leben eine psychische Krise zu erleben. Und niemand sollte sich dafür schämen müssen, wenn es ihm seelisch nicht gut geht.

Fühlen Sie sich eingeladen heute am 10. Oktober, aber auch an jedem anderen Tag auf sich und ihre seelische Gesundheit zu achten, diese genauso wichtig zu nehmen, wie die körperliche Gesundheit und Menschen die seelisch erkrankt sind, die Möglichkeit zu geben offen damit umgehen zu können ohne Stigmatisierung und Vorurteile.

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